Vordergründig ist ökologisches Bauen teurer, langfristig gerechnet aber preisgünstiger.
Zum einen sind die Vorteile der baubiologischen Baumaterialien nicht genügend
bekannt, sie werden zu gering bewertet. Die Nachteile der konventionellen
Baumaterialien sind auch nicht genügend bekannt. Z. B. dürften eigentlich Spanplatten
im Inneren von Gebäuden überhaupt nicht mehr zulässig sein, wenn man die
Karzinogenität des ausgasenden Formaldehyd ernst nehmen würde. Man hat sich in
Deutschland noch nicht zu dem Schritt durchgerungen, Formaldehyd wie in den USA
als krebserregend einzustufen. Das hätte weitreichende Konsequenzen, z. B.
müsste die Produktion von Möbeln auf Massivholz umgestellt werden.
Spanplatten dürften beim Holzhausbau und damit bei fast allen Fertighäusern
nicht mehr eingesetzt werden. Mineralwolle in Ihrer heutigen Form dürfte wegen
ihres Gehalts an Formaldehyd nicht eingesetzt werden.
Wann kommt man endlich dazu und verwendet nur noch Naturmaterialien für Putze, Estrich,
Dämmmaterialien, Konstruktionsbaustoffe wie Steine und Holz, Teppiche und Möbel?
Die Naturmaterialien haben beweisen, dass sie keine gesundheitlich
unbedenklichen Stoffe abgeben. Die Menschheit hat sich im Laufe ihrer
Entwicklung an Holz, Hanf, Lehm, Kalk, Kreide und Kork gewöhnen können, nicht
aber an Formaldehyd, Styrol und PCP. Erst nach und nach stellt sich heraus, dass
sehr viele künstlichen Stoffe mehr oder weniger giftig sind. Bei Asbest hat es
ungefähr 90 Jahre gedauert, bis man den Stoff verboten hat. Das hat unzählige
Opfer an Menschenleben gekostet und sehr viel Leid und Krankheit verursacht.
Erst bei genauerem Hinsehen und nach unzähligen Forschungsergebnissen, nach
zeitaufwendigen Kompromissen und Übergangsregelungen werden in näherer Zukunft
letztendlich viele künstlichen Baumaterialien aussortiert werden müssen.
Da ist es doch besser, man baut gleich mit den richtigen Baustoffen, solchen, bei
denen man keine bösen Überraschungen zu erwarten hat.
Wer werthaltig bauen möchte, muss mit natürlichen Baumaterialien bauen, denn nur so hat sie / er die
Gewissheit, dass nicht in einigen Jahren Fußbodenbeläge wieder herausgerissen,
Dämmstoffe ausgetauscht, Spanplatten durch unbedenkliches Plattenmaterial ersetzt werden
müssen, des gleichen Arbeitsplatten und komplette Kücheneinrichtungen wegen
Formaldehyd herausgerissen und gegen Massivholzküchen ausgetauscht und Weich -
PVC - Bodenbeläge wegen der Weichmacher herausgerissen werden müssen. Produkten
mit MDF (mitteldichte Faserplatten) und HDF - haltigen Platten sind auch keine
Alternative, da sie Isocyanate enthalten, z. B. Laminat oder Klickparkett etc.
Bei manchen Bauten wird es schlichtweg unmöglich sein, sie zu sanieren. Das
böse Wort, dass manche Häuser Sondermüll sind, wird sich dann bewahrheiten.
Manche älteren Fertighäuser z. B. sind derart mit Schadstoffen voll
(Mineralfaserdämmung und Spanplatten mit Formaldehyd, Hölzer mit
Holzschutzmitteln behandelt), dass ich eine Sanierung für unmöglich halte. Es wäre auch
einmal interessant zu wissen, welche Zusatzmittel in den Betonen verwendet
werden.
Würden die Preise von konventionell hergestellten Bauprodukten die
Wahrheit sprechen und alle Folgekosten mit eingerechnet werden, müssten diese
Baustoffe viel teurer sein. (externe Kosten)
Leider ist die Nachfrage nach Biobauprodukten noch zu gering. Dadurch kann sich auch kein gesunder Markt
entwickeln. Bedauerlicherweise gibt es auch Firmen, die mit biologischen und
natürlichen Baumaterialien handeln oder diese verbauen, die zu überhöhten Preisen
anbieten. Das gibt es aber auch bei konventionell arbeitenden Firmen.
Es gibt eine Reihe von Förderungen für baubiologische Bauweise mit natürlichen
Materialien oder für das energiesparende Bauen. Dämmstoffe aus nachwachsenden
Rohstoffen werden von der fnr gefördert (www.fnr.de). Die Passivhausbauweise und
Energiesparmaßnahmen werden von der KfW (www.kfw.de) gefördert. Ein Passivhaus
zu errichten ist demnach heute günstiger als ein Haus nach der
Energieeinsparverordnung. Das Erneuerbare Energien Gesetz garantiert die
Einspeisevergütung von Photovoltaikanlagen. Städtische Programme fördern
Wärmedämmung, z. B. der Klimaschutz- und Innovationsfonds von ESWE in Wiesbaden.
Letztendlich ist Bauen mit baubiologischen Baumaterialien und
Inneneinrichtung langfristig günstiger:
Wegen der vermiedenen gesundheitlichen Risiken, Krankheiten und
vorzeitigen Renovierungen mit dann ungiftigen Baustoffen. Wegen der höheren Qualität. Wegen vermiedenem
CO2. Vollholzprodukte haben außerdem den Vorteil, dass sie leichter
repariert werden können und dass sie länger halten, und damit auch einmal einen
Umzug oder raue Behandlung aushalten. Ein Parkettfußboden dürfte ein
Menschenleben lang halten.
Es ist zu kurzsichtig, nur auf den Preis zu schauen. Nur die Höhe des Preises zu vergleichen, kann jeder, der zählen gelernt
hat.
Wegen der vermiedenen gesundheitlichen Risiken, Krankheiten und vorzeitigen Renovierungen mit dann ungiftigen Baustoffen.
Wegen der höheren Qualität.
Die baubiologische / ökologische Bauweise ist die einzige Bauweise, die Bauen mit Qualität bedeutet.
Sie ist als einzige nachhaltig, wertbeständig und gesund. Eine viel größere Verbreitung wäre ihr zu wünschen,
leider muss die Bauherrschaft heute immer noch gegen den Strom schwimmen, viele Widerstände ausräumen.
Die Widerstände sind in unseren Köpfen, aber man muss sich gegen die "Geiz-Ist-Geil-Mentalität" durchsetzen,
ohne die Wirtschaftlichkeit beim Bauen aus den Augen zu verlieren.
Das heißt, dass der Planer unbedingt sorgfältig arbeiten muss, bei Planung, Ausschreibung,
Vergabe der Arbeiten und der Bauleitung. Der Planer muss selbstverständlich unabhängig und nur seiner Bauherrschaft
verpflichtet sein. Wer so arbeitet, erreicht ein im Vergleich preisgünstiges Bauen zum Wohl seiner Bauherren.
Mit den Chefs der ausführenden Firmen und den Arbeitern auf der Baustelle oder in der Werkstatt sollte der Planer ein
gutes Verhältnis pflegen. Den Firmenchefs ist geholfen, wenn sie korrekt behandelt werden,
z. B. bei Abschlagszahlungen, Rechnungen und Reklamationen. Den Arbeitern auf der Baustelle ist
geholfen, wenn sie auf der Baustelle gesunde Produkte verarbeiten, die sie nicht auf die Dauer gesundheitlich schädigen.
Selbstverständlich ist es heute, wo viele Leute Angst um ihren Arbeitsplatz haben, schwierig, eher mehr
als weniger Geld fürs Bauen auszugeben. Es lässt sich aber auch manches einsparen, was nicht unbedingt
notwendig ist oder später nachgezogen werden kann. Die Bauherren haben es heute nicht leicht,
sie werden von allen Seiten bearbeitet und alle wollen nur ihr Bestes, z. B. ihr Geld. Den Bauherren kann man nur
die entsprechende Coolness und das "Händchen" dafür wünschen, zwischen Wichtig und Unwichtig zu unterscheiden.
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©by Axel Hagenmüller 2011